In fließenden Übergängen geht es in Annette Gundermanns Malerei um das Eigenleben der Farben, um freie Abstraktion und ebenso um den Umgang mit zeichenhaften, gegenständlichen und figürlichen Prinzipien. Jetzt zieht die 50-jährige Pankowerin, die in den Achtzigern erst an der Kunsthochschule Weißensee und dann an der Dresdner Hochschule für Bildende Künste und dort bei dem Maler Siegfried Klotz studiert hat, Bilanz in einer großen Ausstellung. Galt ihre Vorliebe früher großen, abstrakten Collagen, so variieren die Formate der neueren freien poetischen Arbeiten auf Papier oder Leinwand inzwischen von groß bis klein. Bildzyklen, so zum Thema »Fünf Sinne« zeigen, wie virtuos Gundermann auch figürlich malt. Aber was sie durch Anschauung gewinnt, wird von ihr übersetzt in Poesie, nicht ins Abbildhafte. Vor einigen Jahren wirkten die Motive Annette Gundermanns durch die dunklen Blau- und Rottöne und das Schwarz eher melancholisch. Auf dichte Bildflächen waren Gebilde gesetzt, die an technoide oder kosmische Körper denken ließen und eine fast surreale Stimmung erzeugten. Seit einiger Zeit nun sucht die Malerin ihren Weg »Von Blau zu Gelb«. Der Weg vom Wasser zum Licht, dazwischen tauchen auch Rot, Rosa, Grün auf als strukturierte Farbräume, bisweilen gepaart mit zeichnerischen Elementen. Der Bildraum bleibt immer offen nach allen Richtungen, Farbe zieht sich von oben nach unten, von links nach rechts, schwebt, schwingt, klingt, springt- überlagert sich gar auf verklebten Flächen, die den Bildern fast etwas Reliefhaftes geben. All die Rätsel dieser Bilder lösen auf keinen Fall deren Titel, auch wenn „Inselmittag«, »Traumwasser«, »Femina« oder »Ziehende Landschaft« der Fantasie ein wenig aufhelfen. Irgendwie hat man das Gefühl, Gundermanns Malerei suche den Übergang in eine neue Zeitzone. In eine Traumzeitzone. Es steckt eine große Erwartung in diesen Traumzeitzonenbildern.

Ingeborg Ruthe (Berliner Zeitug): Übergang in eine Traumzeitzone,
Annette Gundermanns Bilder »Von Gelb zu Blau« im Pankower Forum Amalienpark, Berlin, März 2007

Mürrisch, wie man ihn aus vielen Filmen kennt, erscheint Henry Hübchen. Melancholisch dagegen, mit seinen charakteristischen Tränensäcken, schaut Winfried Glatzeder ins Ferne, während Christa Wolf den Betrachter wie eine düstere Kassandra von unten fixiert...
...Ellen Fuhr hat ihre Porträts mit schnellen Kohlestrichen zu Papier gebracht und teilweise im Atelier mit Tusche oder Acryl weiterbearbeitet. Die Fotografin Renate Zeun hat Prominente und Nicht-Prominente in klaren, ungeheuer ausdrucksstarken Schwarz-Weiß-Aufnahmen verewigt, während die wohl konstruierten, in gedeckten Farben gehaltenen Bilder der Malerin Annette Gundermann Ruhe und Statik ausstrahlen.

Manche sind dabei gleich mehrfach vertreten: Vize-Bundestagspräsident Wolfgang Thierse zum Beispiel, den Annette Gundermann sitzend vor blaugrauem Hintergrund malte. Einen freundlich-neutralen Gesichtsausdruck stellt er zur Schau, ebenso wie auf dem Foto von Renate Zeun. Ellen Fuhr hat den Politiker ernster, mit gerunzelter Stirn gezeichnet. Fast dämonisch wirkt bei ihr der Grünen-Umweltminister Jürgen Trittin, wie er mit blauen Augen unter der hohen Stirn den Betrachter anstarrt, während er bei Gundermann, nur bis zur Bildmitte reichend, deutlich kleiner erscheint als in Wirklichkeit.
Überhaupt nimmt auf ihren Bildern der Hintergrund, immer rose, blau, grüngrau oder ocker, viel Platz ein; ihre Malerei zieht ihre Kraft auch aus der ausgewogenen Komposition zwischen Figur und Raum...

Anouk Meyer, ND Berlin, Januar 2008
»Bekannt oder unbekannt in Pankow«
Drei Künstlerinnen porträtierten Einwohner des Bezirks / Ausstellung in der Galerie Amalienpark

»Es lebt sich gut nördlich von Szene-Berlin. Pankow ist die Rückseite der großen Berlin- Euphorie ... alles geht ganz langsam hier«. Worte von Christoph Tannert im Katalog zu einer Ausstellung, die heute Abend in der Pankower Galerie Forum Amalienpark eröffnet wird. In den großen Räumen der Villa an der Breite Straße 2a stellen drei Künstlerinnen Menschen aus ihrem Bezirk vor. Jede hat auf ihre Weise bekannte und unbekannte Menschen – Schriftsteller, Politiker, Schauspieler, Musiker – in ihr Medium gerückt. Ellen Fuhr aufs Papier, Annette Gundermann auf die Leinwand, Renate Zeun vor die Kamera. Michaela Gericke schaute auf die Bilder und sprach mit den Künstlerinnen.

Michaela Gehricke: Der Kunstförderer Peter-Alexis Albrecht und seine Frau begrüßen den Besucher im Flur der Galerie. Das ein Meter 60 mal eins 45 große Gemälde zeigt eindrucksvoll den Professor in gelbem Jackett, die Ellenbogen liegen ruhig auf einem Stuhl, die Hände hat er gefaltet. Seine Frau Julia neben ihm sitzt – als sei sie auf dem Sprung – auf einer Stuhlkante, die Hände hat sie zwischen die Knie gelegt. Lila Pulli, rote Lippen, blondes Haar, leicht versonnener Blick. Die Malerin Annette Gundermann hat für ihre Porträts Acryl, Ol und Leinwand gewählt und auf den meisten ihrer räumlich gestalteten Bilder die Körpersprache der Modelle mit einbezogen.
In einem anderen Ausstellungsraum der großzügigen Galerie sehen wir Henry Hübchen vor einer rosa Wand sitzend. Annette Gundermann wählte Farbkompositionen, die dem Gefühl für ihr Gegenüber entsprechen. Die Bilder hinterlassen einen nachhaltigen Eindruck, denn sie schauen den Besucher meistens direkt und eindringlich an. Ein bisschen Melancholie schwingt manchmal mit.

Annette Gundermann: Es gab bei mir auch keinen Plan vorher. Als ich dann mit denen zusammen war, entwickelte sich eine farbige Idee; dass ich bei Hübchen dachte, der muss für mich in Rosa gemalt werden, um das ein bisschen zu ironisieren, wenn man ihn erlebt hat, als Ikone und Herzensbrecher...

Michaela Gehricke, 25.1.2008
»Bekannt.Unbekannt« Pankower Portraits
Ellen Fuhr, Renate Zeun, Annette Gundermann in der Galerie Forum Amalienpark
rbb / Kulturradio, Gespräch am Nachmittag

Den sechsten Sinn muss der Galeriebesucher mitbringen. Für die anderen ist am Pankower Forum Amalienpark in dieser Sommerschau namens »Die fünf Sinne« gesorgt: Es geht, ums Sehen, Hören, Tasten, Riechen, Schmecken.Kunst kann mehr als nur den Augensinn bedienen. Ellen Fuhr hat vor ihrem Bild von Tieraugen – Fuchs, Eule, Gans, Schaf – einen Bottich voller Wolle gestellt, es riecht nach Schaf.
Die Paradiesvögel des Zeichners Horst Hussel zwitschern lautlos bunt übers Papier. Heidemarie Kasanowski türmte Blechgefäße zu Skulpturen, installierte darin ein Wassersystem aus Schläuchen und Pumpen. So sorgt sie für monotone Tropf- und Rieselgeräusche, man darf auch gern das Nass kosten. Es schmeckt nach nichts. Dafür glaubt man nächtlichen Großstadtlärm zu hören angesichts, der Straßen- und Kneipenszenen Kitty Kahanes. Und auch in Anke Feuchtenbergers Comic-Blättern toben die Laster der Nacht.

Dem Thema am nächsten kommen die fünf großfigürlichen, farbstarken Paarmotive Annette Gundermanns. Die Malerin nimmt direkten Bezug auf die Kunstgeschichte – auf fünf Kupferstiche von Jan Saenredam (1565-1607) zu den Sinnen. In ihrer intensiven Bildfolge ist es jeweils die Frau, die alle Fünfe, gut beisammen hat – und den Mann an ihrer Seite sehen, hören, tasten, riechen, schmecken lässt. Eine Orange – oder ist es ein Apfel – wird, wie schon so oft in den menschlichen Mythen, zum Indiz der Verführung.

Ingeborg Ruthe (Berliner Zeitung) zur Ausstellung:
»Die Fünf Sinne«, Galerie Forum Amalienpark, Berlin Juni 2005

Annnette Gundermann sucht – in großformatigen Collagen durch Reisschleim verbundener farbiger Papiere – nach Berührungspunkten, Schnittstellen und Überlagerungen. Sie sind von der Künstlerin bewusst provozierte Symbiosen des Zufalls, die den Betrachter anregen, über ein tragfähiges Verhältnis von Gewachsen-dem und Veränderung nachzudenken. »Traumwasser« und »Offener Himmel« laden zu diesem Sehen ebenso ein wie die labyrinthischen Vernetzungen ihrer Öl-und Acrylbilder. »Rot trifft Blau« heißt eines dieser Bilder, die man sich merkt. Die Begegnung mit der in kräftigen Farbtönen leuchtenden abstrakten Landschaft ermöglicht einen Dreiklang von Innehalten, Findung und Loslassen. Kurz gesagt eine Augenweide – aber nicht barock.

Astrid Volpert (ND) zur Ausstellung: »Bild und Skulptur«, Annette Gundermann, Peter Lewandowski
Galerie Pohl, Berlin Juni 2003

Die Galerie Pohl in Pankow gibt vor allen Künstlern ein Podium, die unbeirrt in den klassischen Genres arbeiten. Diesen Sommer stellen bei Pohl die Berliner Malerin Annette Gundermann und der bei Güstrow lebende Bildhauer Peter Lewandowski aus. Die Bilder der 45-jährigen Annette Gundermann wirken durch die dunklen Blau- und Rottöne und das Schwarz eher melancholisch. Auf dichte Bildflächen sind Gebilde gesetzt, die an technoide oder kosmische Körper denken lassen und eine fast sureale Stimmung erzeugen.

Ingeborg Ruthe (Berliner Zeitung) zur Ausstellung: »Bild und Skulptur«, Annette Gundermann, Peter Lewandowski
Galerie Pohl, Berlin Juni 2003